Wie alles anfing: 
Ein Foodtruck, ein Schwur und die beste und chaotischste Planung unseres Lebens

Wie kommt man eigentlich auf die Idee, nach Sri Lanka zu reisen? Die Geschichte beginnt im Grunde mit einer runden Zahl: Ich bin dieses Jahr 50 geworden. Wenn das kein Anlass für einen ganz besonderen Urlaub ist, was dann? Pläne hatten wir genug. Hawaii stand auf der Liste, die Rocky Mountains auch. Aber wie das oft so ist: Entweder sprengte es das Budget oder die Ziele waren schlichtweg hoffnungslos überlaufen. Also saßen wir da, grübelten und die Weltkarte drehte sich ergebnislos weiter.
Die Entscheidung fiel schließlich auf die wohl wissenschaftlichste Art und Weise überhaupt: auf einem Foodtruck-Event in Mainz.
Wir standen hungrig vor der Qual der Wahl, als uns ein Wagen aus Sri Lanka auffiel. Unser genialer Gedankengang: „Sieht ein bisschen aus wie indisch. Indisch mögen wir. Riecht super – lass einfach mal probieren." Weil man die besten Lebensentscheidungen ohnehin aus dem Bauch heraus trifft, haben wir noch vor dem ersten Bissen gescherzt: „Wenn das jetzt schmeckt, fahren wir da im Urlaub hin!"
Was soll ich sagen? Es hat verdammt gut geschmeckt. Und wir haben Wort gehalten. Da saßen wir also in Mainz und beschlossen spontan: „Wie genial, wir machen das wirklich!”. Ohne jede geopolitische oder kulturelle Vorkenntnis, rein basierend auf einem kulinarischen Spontankauf. Das war der eigentliche Startschuss für unser Abenteuer.
Danach ging die Vorbereitung los – und damit der totale Informations-Overkill. Wir haben gefühlt Hunderttausende von YouTube-Videos geschaut und uns durch unzählige Berichte gewühlt. Welche Route ist die beste? Wie wird das Wetter? Welche Hotels lohnen sich? Fährt man mit dem Zug, mietet man ein Tuk-Tuk, oder nimmt man das Auto? Am Ende haben wir aus all den Puzzleteilen unsere ganz eigene, maßgeschneiderte Route zusammengebaut.
Genau an dieser Reise möchten wir euch hier teilhaben lassen. Wir wollen euch zeigen, was wir erlebt haben, wo wir überall waren und vor allem: Würden wir es noch mal genauso machen oder beim nächsten Mal etwas ändern?
Das kurze Fazit nehmen wir direkt vorweg: Wir würden exakt dieselbe Reise morgen wieder antreten. Sri Lanka war einfach gigantisch und wunderschön. Wir haben so unglaublich herzliche, offene Menschen kennengelernt und echte Freunde gewonnen. Es war für uns eines der größten und schönsten Erlebnisse überhaupt. 
Aber lest am besten selbst…
Kapitel 1: Von logistischen Sackgassen, Kriegswirren und der Kunst des gepflegten Umbuchens
Nachdem die Theorie stand, ging es an die Praxis. Wir opferten einen kompletten Samstag – und ich meine wirklich den ganzen Tag von morgens bis abends –, um Hotels zu vergleichen, auszuwählen und festzunageln. Die Flüge mit Qatar Airways hatten wir praktischerweise schon Monate vorher während unseres Andalusien-Urlaubs klargemacht. Eigentlich lief alles wie am Schnürchen. Eigentlich.
Denn dann kam die große Frage: Wie kommen wir vor Ort von A nach B?
Unsere erste, hochromantische Idee: Wir mieten uns selbst ein Tuk-Tuk! Nach einem kurzen Blick auf die Taschenrechner-App folgte die Ernüchterung. Ein Tuk-Tuk darf in Sri Lanka maximal 40 km/h fahren. Wenn man das auf unsere geplante Strecke hochrechnet, verbringt man locker mal zehn Stunden am Stück auf der Straße. Kombiniert mit einem Verkehr, der – gelinde gesagt – genauso chaotisch ist wie in Indien, war das Thema Tuk-Tuk ganz schnell vom Tisch. Wir hängen ja an unserem Leben.
Nächste Option: Die Bahn. Klingt super, allerdings war unsere Wunschroute vom Schienennetz der Insel leider komplett unbeeindruckt. Blieb also nur die Suche nach einem privaten Fahrer. Weil wir aber keine Lust auf jemanden hatten, der uns rund um die Uhr wie ein Schatten am Rockzipfel hängt, begann die große Online-Recherche. Wir wühlten uns durch Facebook-Gruppen, filterten hunderte Rückmeldungen und tippten uns bei WhatsApp die Finger wund. Am Ende machten wir mit „Fair Lanka Travel" den absoluten Hauptgewinn. Von der ersten Sekunde an super sympathisch, extrem zuvorkommend und hilfsbereit. Aber Spoiler: Dazu später noch sehr viel mehr.
Als alles perfekt organisiert war, dachte sich die Weltpolitik, sie müsste das Ganze noch etwas spannender gestalten. Knapp zwei Monate vor Abflug eskalierte die Lage im Iran. Dubai und praktisch alle anderen Drehkreuze in der Region machten dicht. Perfekt.
Während wir gedanklich schon den Urlaub ins Wasser fallen sahen, bot uns Qatar Airways glücklicherweise eine kostenlose Stornierung an. Und wir hatten unglaubliches Glück: Turkish Airlines bot zu dem Zeitpunkt noch bezahlbare Tickets an, sodass wir ohne finanzielles Desaster aus der Nummer rauskamen. Also vier Wochen vor Abflug: Schnell alles auf Null gesetzt und neu gebucht.
Ganz ohne Kollateralschäden ging es dann aber doch nicht. Da der eigentliche Rückflug plötzlich statt 300 Euro unverschämte 1.300 Euro pro Person kosten sollte, mussten wir den Urlaub um zwei Tage verkürzen. Und was bedeutet das bei einer maßgeschneiderten Rundreise? Richtig: Die Route musste schon wieder geändert werden.
Leider traf es Jaffna ganz im Norden, das wir schweren Herzens streichen mussten. Neben der verkürzten Zeit war dort die Zugverbindung wegen Starkregen unterbrochen – und zu allem Überfluss durften die Fahrer wegen der Treibstoffknappheit infolge der Krise ohnehin nur streng rationiert tanken. Aber gut, im spontanen Umbuchen hatten wir ja inzwischen den schwarzen Gürtel.
Das Zittern zog sich buchstäblich bis zur allerletzten Sekunde vor dem Boarding. Und als wir dann schließlich – allen Krisen, Flugstreichungen und Routenänderungen zum Trotz – tatsächlich nach 13h in Colombo auf der Landebahn aufsetzten, konnten wir unser Glück kaum fassen: Wir waren endlich da!
Kapitel 2: Vom Tropen-Schock, Toiletten-Fröschen und Sturmfahrten auf hoher See
Kaum hatten wir den Ausgang am Flughafen in Colombo erreicht, wurden wir auch schon von „Fair Lanka Travels“ in Empfang genommen. Herzlich, zuvorkommend und direkt mit einem gemeinsamen Begrüßungsfoto im Kasten ging es schnurstracks zum Auto.
Und dann machten wir den ersten Schritt vor die Tür. Viele kennen sicherlich dieses Gefühl, wenn man im botanischen Garten ein tropisches Schmetterlingshaus betritt: Bäm! Man läuft gefühlt gegen eine unsichtbare Wand aus Luftfeuchtigkeit. Schwül, warm – aber irgendwie auch einfach geil! Willkommen in den Tropen.
Unsere allererste Etappe führte uns nach Kappalady ins „Elements Beach & Nature Resort“. Nach einer rund vierstündigen Autofahrt hatten wir unser erstes Ziel erreicht und wurden unglaublich freundlich empfangen. Das Resort liegt direkt am Meer, wurde nachhaltig von einem Schweizer und einer Deutschen aufgebaut und ist einfach wunderschön. Überall laufen völlig tiefenentspannt Esel, Pferde und diverse andere Tiere frei auf dem Gelände herum. Der Strand? Ein absoluter Traum. Die Wassertemperatur? Gefühlt wie in einer gut geheizten Badewanne. Wir waren auf Anhieb im Paradies angekommen.
Unsere Unterkunft war der Knaller: Meerblick und alles komplett offen gestaltet. Auch das Essen, der Pool und das ganze Drumherum waren ein absoluter Traum. Wir hatten hier zwei Nächte zum Ankommen, Spazierengehen und Relaxen eingeplant.
Schon die erste Nacht lieferte das erste Highlight. Da die Bungalows so herrlich offen sind und sich Dusche und Toilette quasi draußen im Freien befinden, hatten wir abends prompt den ersten tierischen Mitbewohner: einen Frosch in der Toilette. Ich habe mich köstlich amüsiert – vor allem, weil Kerstin kurz vorher auf dem stillen Örtchen war und den kleinen Kerl überhaupt nicht bemerkt hatte.
In der zweiten Nacht stattete uns dann der Monsun einen Hausbesuch ab. Und der macht keine halben Sachen: Sturm, Starkregen, gefühlter Weltuntergang. Da alles offen war, wurde es drinnen schnell ungemütlich nass. Also durfte ich mitten in der Nacht im strömenden Regen und bei heftigen Böen aufs Vordach klettern, um die Planen zusammenzuziehen und festzuknoten. Ich habe mich in diesem Moment weniger wie ein Urlauber und mehr wie ein geplagter Matrose auf hoher, stürmischer See gefühlt, der verzweifelt das Hauptsegel flickt.
Trotz des nächtlichen Sturmeinsatzes haben wir diese Unterkunft nach den zwei Nächten mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlassen. Die Menschen, das fantastische Essen und diese einzigartige Atmosphäre waren einfach gigantisch. Ein perfekter Start!
Test
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