Kapitel 1: Von logistischen Sackgassen, Kriegswirren und der Kunst des gepflegten Umbuchens
Nachdem die Theorie stand, ging es an die Praxis. Wir opferten einen kompletten Samstag – und ich meine wirklich den ganzen Tag von morgens bis abends –, um Hotels zu vergleichen, auszuwählen und festzunageln. Die Flüge mit Qatar Airways hatten wir praktischerweise schon Monate vorher während unseres Andalusien-Urlaubs klargemacht. Eigentlich lief alles wie am Schnürchen. Eigentlich.
Denn dann kam die große Frage: Wie kommen wir vor Ort von A nach B?
Unsere erste, hochromantische Idee: Wir mieten uns selbst ein Tuk-Tuk! Nach einem kurzen Blick auf die Taschenrechner-App folgte die Ernüchterung. Ein Tuk-Tuk darf in Sri Lanka maximal 40 km/h fahren. Wenn man das auf unsere geplante Strecke hochrechnet, verbringt man locker mal zehn Stunden am Stück auf der Straße. Kombiniert mit einem Verkehr, der – gelinde gesagt – genauso chaotisch ist wie in Indien, war das Thema Tuk-Tuk ganz schnell vom Tisch. Wir hängen ja an unserem Leben.
Nächste Option: Die Bahn. Klingt super, allerdings war unsere Wunschroute vom Schienennetz der Insel leider komplett unbeeindruckt. Blieb also nur die Suche nach einem privaten Fahrer. Weil wir aber keine Lust auf jemanden hatten, der uns rund um die Uhr wie ein Schatten am Rockzipfel hängt, begann die große Online-Recherche. Wir wühlten uns durch Facebook-Gruppen, filterten hunderte Rückmeldungen und tippten uns bei WhatsApp die Finger wund. Am Ende machten wir mit „Fair Lanka Travel" den absoluten Hauptgewinn. Von der ersten Sekunde an super sympathisch, extrem zuvorkommend und hilfsbereit. Aber Spoiler: Dazu später noch sehr viel mehr.
Als alles perfekt organisiert war, dachte sich die Weltpolitik, sie müsste das Ganze noch etwas spannender gestalten. Knapp zwei Monate vor Abflug eskalierte die Lage im Iran. Dubai und praktisch alle anderen Drehkreuze in der Region machten dicht. Perfekt.
Während wir gedanklich schon den Urlaub ins Wasser fallen sahen, bot uns Qatar Airways glücklicherweise eine kostenlose Stornierung an. Und wir hatten unglaubliches Glück: Turkish Airlines bot zu dem Zeitpunkt noch bezahlbare Tickets an, sodass wir ohne finanzielles Desaster aus der Nummer rauskamen. Also vier Wochen vor Abflug: Schnell alles auf Null gesetzt und neu gebucht.
Ganz ohne Kollateralschäden ging es dann aber doch nicht. Da der eigentliche Rückflug plötzlich statt 300 Euro unverschämte 1.300 Euro pro Person kosten sollte, mussten wir den Urlaub um zwei Tage verkürzen. Und was bedeutet das bei einer maßgeschneiderten Rundreise? Richtig: Die Route musste schon wieder geändert werden.
Leider traf es Jaffna ganz im Norden, das wir schweren Herzens streichen mussten. Neben der verkürzten Zeit war dort die Zugverbindung wegen Starkregen unterbrochen – und zu allem Überfluss durften die Fahrer wegen der Treibstoffknappheit infolge der Krise ohnehin nur streng rationiert tanken. Aber gut, im spontanen Umbuchen hatten wir ja inzwischen den schwarzen Gürtel.
Das Zittern zog sich buchstäblich bis zur allerletzten Sekunde vor dem Boarding. Und als wir dann schließlich – allen Krisen, Flugstreichungen und Routenänderungen zum Trotz – tatsächlich nach 13h in Colombo auf der Landebahn aufsetzten, konnten wir unser Glück kaum fassen: Wir waren endlich da!
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